Wolfgang Benz: „Die Linke hat ein explizites Verhältnis zum Staat Israel – aber das ist nicht Antisemitismus“
In einem Interview mit Michael Hesse für die Frankfurter Rundschau äußert sich der Historiker und Antisemitismusforscher Wolfgang Benz zur Debatte über Antisemitismus innerhalb der Partei Die Linke, zur Kritik an der israelischen Regierung und zum gesellschaftlichen Umgang mit dem Nahostkonflikt.
Benz unterscheidet zwischen religiöser Judenfeindschaft, rassistischem und sekundärem Antisemitismus sowie politischer Kritik am Staat Israel. Er warnt davor, Kritik an israelischer Regierungspolitik grundsätzlich mit Antisemitismus gleichzusetzen. Gleichzeitig betont er, dass antisemitische Parolen und traditionelle judenfeindliche Vorstellungen auch dann entschieden zurückgewiesen werden müssen, wenn sie im Zusammenhang mit palästinensischen Protesten auftreten.
Ausführlich beschäftigt sich Benz mit unterschiedlichen Antisemitismusdefinitionen, insbesondere der IHRA-Arbeitsdefinition und der Jerusalemer Erklärung. Er kritisiert die politische Instrumentalisierung des Antisemitismusvorwurfs und eine Debattenkultur, in der gegenseitige Zuschreibungen zunehmend eine differenzierte Auseinandersetzung ersetzen.
Die pauschale Einordnung der Linkspartei als antisemitisch hält Benz für nicht gerechtfertigt. Einzelne problematische Äußerungen und Vorfälle müssten ernst genommen werden, erlaubten aber keinen entsprechenden Rückschluss auf die gesamte Partei. Ebenso lehnt er Forderungen nach einer Abschaffung Israels ab und betont dessen Existenzrecht.
Als persönliche Haltung beschreibt Benz die Notwendigkeit, die historische Verantwortung Deutschlands gegenüber jüdischen Menschen und die Solidarität mit der palästinensischen Zivilbevölkerung miteinander zu verbinden. Beides dürfe sich seiner Auffassung nach nicht gegenseitig ausschließen.
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