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Internationaler Versöhnungsbund Pressespiegel vom 7.10.26.

Veröffentlicht am Oktober 12, 2026Oktober 12, 2026 by Hartmut Dreier

Presseschau: Ukraine, Westasien und Militarisierung

Eine Zusammenstellung von zwölf Beiträgen zu den Kriegen in der Ukraine und in Westasien, zu internationalen Friedensbemühungen, zum Völkerrecht sowie zur Militarisierung und zur Friedensbewegung.

Zusammengestellt von Clemens Ronnefeldt, Referent für Friedensfragen beim deutschen Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes. Der Zusammensteller weist darauf hin, dass er nicht mit allen Aussagen der ausgewählten Artikel übereinstimmt, diese jedoch für wichtig hält.

1 · Ukraine / Diplomatie

Verhandlungen mit Russland: Selenskyj sieht baldige Gespräche

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erwartet nach eigenen Angaben neue diplomatische Gespräche über eine Beendigung des Krieges. Er äußerte die Hoffnung, dass die USA noch im Oktober ein Treffen zwischen Vertretern der Ukraine, Russlands und der Vereinigten Staaten organisieren könnten.

Trotz anhaltender russischer Angriffe erklärte Selenskyj die ukrainische Verhandlungsbereitschaft. Zugleich forderte er die USA und andere internationale Partner auf, Russland zu konkreten diplomatischen Schritten zu bewegen.

Quelle: ZDFheute, Meldungen vom 4. und 5. Oktober 2026.

ZDF-Beitrag lesen →
2 · Israel / Gaza

Netanjahu droht Hamas-Kämpfern bei Gedenken an 7. Oktober

Bei einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023 kündigte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu an, die an dem Überfall und an Geiselnahmen Beteiligten weiterhin zu verfolgen. Zugleich erklärte er, eine erneute Herrschaft der Hamas im Gazastreifen nicht zuzulassen.

Der Handelsblatt-Bericht ordnet die Aussagen in die Folgen des Angriffs, den Krieg in Gaza und den israelischen Wahlkampf vor der für den 27. Oktober 2026 vorgesehenen Parlamentswahl ein. Ergänzend berichtet die Süddeutsche Zeitung über Vorwürfe eines früheren Geheimdienstchefs, Netanjahu habe vor dem Angriff Warnhinweise ignoriert.

Quelle: Handelsblatt, 5. Oktober 2026; ergänzend Süddeutsche Zeitung, 29. September 2026.

Handelsblatt-Beitrag lesen →

Ergänzender SZ-Beitrag zu Warnhinweisen vor dem 7. Oktober →

3 · Dokumentarfilm / Gaza

Israel: Wer mitreden will, muss diesen Film gesehen haben

Die Süddeutsche Zeitung stellt den Dokumentarfilm „Naza“ von Yuval Abraham und Rachel Szor vor. Darin berichten nach Darstellung des Artikels 24 israelische Militär- und Geheimdienstangehörige über die Kriegsführung im Gazastreifen, darunter den Einsatz künstlicher Intelligenz bei der Zielauswahl und Angriffe mit zivilen Opfern.

Der Beitrag von Sonja Zekri behandelt auch die heftigen politischen Reaktionen auf den Film in Israel und die Gefahren für die Filmschaffenden. Die Dokumentation wirft grundlegende Fragen nach individueller Verantwortung, militärischen Entscheidungen und dem Umgang mit möglichen Kriegsverbrechen auf.

Quelle: Süddeutsche Zeitung, Sonja Zekri, 30. September 2026; Printausgabe vom 1. Oktober 2026 unter der Überschrift „Zeugen der Entmenschlichung“.

SZ-Beitrag lesen →

Ergänzend: Deutschlandfunk-Interview mit Mathias Mogge zur Lage in Gaza →

4 · Völkerrecht / Geschichte

Philippe Sands: „Viele völlig gewöhnliche Menschen sind unter bestimmten Umständen dazu fähig, schreckliche Dinge zu tun“

Der Völkerrechtler und Friedenspreisträger Philippe Sands spricht im Interview mit Michael Hesse über die Gefahren von Nationalismus und Populismus, historische Parallelen zu den 1930er Jahren und die Bedeutung unabhängiger Gerichte.

Ausführlich erläutert Sands die Entwicklung des internationalen Strafrechts nach dem Zweiten Weltkrieg und die rechtliche Unterscheidung zwischen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord. Mit Blick auf Gaza und die Ukraine betont er die Notwendigkeit, Verbrechen zu beenden und Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen. Eine abschließende eigene rechtliche Einordnung der Vorgänge in Gaza als Völkermord nimmt er in dem Interview ausdrücklich nicht vor.

Sands beschreibt das Völkerrecht trotz seiner Grenzen als langfristiges Projekt, das auch in Krisenzeiten verteidigt und weiterentwickelt werden müsse.

Quelle: Frankfurter Rundschau, Michael Hesse, 6. Oktober 2026.

Vollständiges Interview lesen →

Ergänzend: Deutschlandfunk zu Kai Ambos, „Staatsräson nach Gaza“ →

5 · Iran / Internationale Diplomatie

Wer entscheidet in Teheran?

Der Iran-Experte Nima Mina untersucht im IPG-Journal die Macht- und Entscheidungsstrukturen der Islamischen Republik vor dem Hintergrund von Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wer ein mögliches Abkommen verbindlich genehmigen und dessen Umsetzung gegenüber den Revolutionsgarden und anderen Machtzentren durchsetzen könnte. Mina beschreibt die Rolle eines sogenannten Sechserkomitees, des Obersten Nationalen Sicherheitsrats und des iranischen Führers Mojtaba Khamenei.

Nach seiner Analyse erschweren unklare Zuständigkeiten und widersprüchliche öffentliche Darstellungen die Einschätzung, wie belastbar diplomatische Zusagen Teherans tatsächlich wären.

Quelle: IPG-Journal, Nima Mina, 5. Oktober 2026.

IPG-Beitrag lesen →
6 · Irak / USA / Iran

US-Truppen aus dem Irak abgezogen – warum genau jetzt?

Nach mehr als zwei Jahrzehnten amerikanischer Militärpräsenz berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland über den Abschluss des US-Truppenabzugs aus dem Irak. Der Artikel zeichnet die Geschichte des Militäreinsatzes seit 2003, den Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat und die politischen Folgen der Intervention nach.

Der Rückzug verändert nach Einschätzung des Berichts das regionale Machtgefüge. Während mit dem Iran verbündete Milizen an Einfluss gewinnen könnten, entstehen neue Sicherheitsfragen für die irakische Regierung und insbesondere für kurdische Gebiete.

Der Beitrag beleuchtet zudem die langfristigen Folgen des Irakkriegs, darunter zivile Opfer, politische Instabilität und die Frage, welche Handlungsmöglichkeiten dem Irak zwischen Washington und Teheran bleiben.

Quelle: Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), 30. September 2026.

RND-Beitrag lesen →

Ergänzend: Wall Street Journal über eine iranische Drohnenbedrohung →

7 · Atomwaffen / Deeskalation

Nukleare Eskalationsspirale stoppen!

Die medizinische Friedensorganisation IPPNW verurteilt in einer Pressemitteilung vom 2. Oktober 2026 russische Drohungen mit einem möglichen Atomwaffeneinsatz gegen europäische NATO-Staaten. Anlass ist nach Darstellung der Organisation eine militärische Auseinandersetzung um die Sicherheitslage der russischen Enklave Kaliningrad.

IPPNW warnt vor den katastrophalen humanitären Folgen eines Atomwaffeneinsatzes und fordert verstärkte Rüstungskontrolle, Risikoreduktion und diplomatische Deeskalation. Die Organisation spricht sich zudem gegen die NATO-Atomwaffenübung „Steadfast Noon“ aus und verweist auf geplante Protestaktionen.

Quelle: IPPNW Deutschland, Pressemitteilung vom 2. Oktober 2026.

IPPNW-Pressemitteilung lesen →
8 · Friedensforschung / Gesellschaft

„Krieg ist kein Naturgesetz“ – Friedensforscher Wintersteiner über Aufrüstung, Ungleichheit und Optimismus

Der Friedensforscher Werner Wintersteiner widerspricht in einem Interview mit dem österreichischen Magazin Kontrast der Vorstellung, Kriege seien ein unvermeidlicher Bestandteil der menschlichen Natur. Er betrachtet Krieg vielmehr als Ergebnis historischer, politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen.

Das Gespräch behandelt die Zusammenhänge zwischen Militarisierung, autoritären Tendenzen, sozialer Ungleichheit und internationaler Sicherheit. Wintersteiner spricht über Möglichkeiten diplomatischer Konfliktlösung, die Rolle der österreichischen Neutralität und die Bedeutung von Friedensbildung.

Sein Ansatz eines „strategischen Optimismus“ verbindet die Anerkennung gegenwärtiger Gefahren mit der Überzeugung, dass gesellschaftliche und politische Veränderungen möglich bleiben.

Quelle: Kontrast.at, Interview mit Werner Wintersteiner.

Interview lesen →
9 · Kirche / Europa / Frieden

Wortlaut: Europa-Rede des Papstes in Metz

In einer Rede am 28. September 2026 im Robert-Schuman-Kongresszentrum in Metz beschäftigt sich Papst Leo XIV. mit der europäischen Friedensordnung, dem Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen und der Bedeutung internationaler Zusammenarbeit.

Unter Bezugnahme auf Robert Schuman und die europäische Einigung fordert der Papst geduldige Verhandlungen, die Achtung des Völkerrechts und eine aktive Friedenspolitik. Er warnt vor der Vorstellung, Sicherheit lasse sich allein durch zusätzliche Aufrüstung erreichen.

Darüber hinaus spricht er über Menschenwürde, Migration und Integration und ruft insbesondere junge Menschen dazu auf, sich für Verständigung und Gewaltfreiheit einzusetzen.

Quelle: Vatican News, Rede von Papst Leo XIV. am 28. September 2026.

Vollständige Rede lesen →
10 · Wehrdienst / Grundrechte

Kriegsdienstverweigerung: Zahl der Anträge übertrifft 2025 schon jetzt um das Dreifache

Nach einem Bericht der Berliner Zeitung wurden in Deutschland bis Ende August 2026 insgesamt 12.102 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung gestellt. Damit liegt die Zahl bereits deutlich über den 3.879 Anträgen des gesamten Vorjahres.

Der Artikel stellt den Anstieg in Zusammenhang mit der veränderten Sicherheitslage und der seit Anfang 2026 geltenden neuen Wehrerfassung. Er erläutert außerdem die rechtlichen Grundlagen der Kriegsdienstverweigerung nach Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes und die Anforderungen an einen entsprechenden Antrag.

Auch die Debatte über eine mögliche erneute Wehrpflicht sowie Fälle, in denen Menschen ihre frühere Verweigerung zurückziehen, werden behandelt.

Quelle: Berliner Zeitung, Eva Maria Braungart, 6. Oktober 2026.

Berliner-Zeitung-Beitrag lesen →

Ergänzender Beitrag zur Veröffentlichung von Antragszahlen →

11 · Friedensbewegung / Jugend

Mehr als 20.000 Teilnehmende bei Unzwingbar-Kundgebung vor dem Brandenburger-Tor

Nach Angaben des Netzwerks Friedenskooperative beteiligten sich am 2. Oktober 2026 mehr als 20.000 überwiegend junge Menschen an der Konzertkundgebung „Unzwingbar – Kein Bock auf Krieg und Wehrpflicht“ in Berlin.

Bei der Veranstaltung vor dem Brandenburger Tor verbanden die Organisatoren Musik und politische Redebeiträge. Thematisiert wurden die Ablehnung einer Wehrpflicht, die Kritik an gesellschaftlicher Militarisierung und Forderungen nach einer stärkeren Förderung von Bildung, Gesundheit und sozialen Einrichtungen.

Die Friedenskooperative beschreibt die Kundgebung als gemeinsame Aktion eines breiten Bündnisses aus Friedens-, Jugend-, Klima-, Gewerkschafts- und weiteren zivilgesellschaftlichen Organisationen.

Quelle: Netzwerk Friedenskooperative, Pressemitteilung vom 3. Oktober 2026.

Pressemitteilung lesen →
12 · Friedensaktion / Atomwaffen

Protest gegen das NATO-Atomkriegsmanöver „Steadfast Noon“

Das Aktionsbündnis „atomwaffenfrei.jetzt“ kündigte für Samstag, den 10. Oktober 2026, eine Mahnwache am Haupttor des Fliegerhorsts Büchel an. Anlass war die NATO-Atomwaffenübung „Steadfast Noon“.

Die Protestaktion richtete sich gegen nukleare Aufrüstung und sollte auf die Risiken atomarer Abschreckung aufmerksam machen. Die Ankündigung ist Teil der friedenspolitischen Aktivitäten rund um das NATO-Manöver.

Quelle: Netzwerk Friedenskooperative / Aktionsbündnis „atomwaffenfrei.jetzt“. Angekündigter Termin: 10. Oktober 2026, 12:00–13:00 Uhr, Fliegerhorst Büchel.

Veranstaltungsinformation lesen →
Quellen und redaktioneller Hinweis:

Zusammenstellung von Clemens Ronnefeldt, Referent für Friedensfragen beim deutschen Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes. Verwendete Quellen: ZDFheute, Handelsblatt, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Rundschau, IPG-Journal, Redaktionsnetzwerk Deutschland, IPPNW, Kontrast.at, Vatican News, Berliner Zeitung und Netzwerk Friedenskooperative.

Die Zusammenfassungen geben die wesentlichen Inhalte der übermittelten Beiträge in gekürzter Form wieder. Aussagen, Einschätzungen und politische Forderungen sind den jeweiligen Autoren, Interviewpartnern oder Organisationen zuzuordnen. Die Auswahl und Verlinkung dienen der Information und Dokumentation. Sie bedeuten nicht, dass sich die AMOS-Redaktion sämtliche darin vertretenen Auffassungen zu eigen macht. Für Inhalte externer Internetseiten und deren spätere Änderungen sind die jeweiligen Anbieter verantwortlich.

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