Christen in Taybeh fühlen sich angesichts der Siedlergewalt allein gelassen
Vatican News berichtet über die zunehmend angespannte Lage in Taybeh, östlich von Ramallah im besetzten Westjordanland. Der Ort gilt als letztes vollständig christliches Dorf Palästinas und wird in der Bibel unter dem Namen Ephraim erwähnt. Nach Angaben des örtlichen katholischen Pfarrers Bashar Fawadleh ist die christliche Gemeinschaft immer häufiger mit Übergriffen israelischer Siedler konfrontiert.
Fawadleh berichtet von wiederholtem Eindringen auf Privatgrundstücke, beschädigten Zäunen, der Inbesitznahme landwirtschaftlicher Flächen, Bränden sowie Einschränkungen der Bewegungsfreiheit. In einem aktuellen Fall seien Siedler mehrfach auf das Grundstück einer christlichen Familie vorgedrungen und hätten dort eine Schafherde bis in die Nähe des Wohnhauses gebracht. Der Pfarrer wertet die Vorfälle nicht als Einzelfälle, sondern als zunehmenden Druck auf die palästinensischen Familien.
Nach seiner Darstellung hat sich die Situation in den vergangenen Monaten deutlich verschärft. Einige Bewohner erwögen inzwischen, Taybeh und ihr Land zu verlassen. Rechtliche Möglichkeiten gegen die Übergriffe seien aus Sicht des Pfarrers nur begrenzt wirksam. Er fordert deshalb einen stärkeren Schutz der Zivilbevölkerung und mehr politischen Druck durch die internationale Gemeinschaft.
Zugleich warnt Fawadleh vor einem langfristigen Verschwinden der christlichen Gemeinschaft aus dem Ort. Die verschiedenen christlichen Kirchen in Taybeh arbeiteten angesichts der Bedrohung eng zusammen, unterstützten betroffene Familien und suchten den Kontakt zu diplomatischen Vertretungen und internationalen Organisationen. Der Pfarrer richtet seinen Appell auch an Papst Leo XIV. und die Weltkirche, sich für den Erhalt der christlichen Präsenz im Heiligen Land einzusetzen.
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