Liebe Friedensbewegte,
nach vielen Wochen, in denen nichts nennenswert Neues geschehen ist, sondern der Wahnsinn einfach seinen Lauf genommen hat, hier mal wieder ein Rundbrief. Zwei aktuelle Texte machen den irren deutschen Russenhass und seine Folgen zum Thema.
Als Kind und Jugendlicher bin ich in einer Atmosphäre aufgewachsen, vergiftet vom Hass der besiegten Nazis und Beinahe-Nazis auf Russland. In Dorf und Kleinstadt geiferten sie an Stammtischen, Familienveranstaltungen, in Zeitungen, im (einzigen) Fernsehprogramm und von Plakaten herunter gegen die angeblich barbarischen Russen. Da saßen sie, die tausende russische Dörfer niedergebrannt, Geisteskranke zur „Euthanasie“ gebracht, KZs bewacht (von deren Existenz viele angeblich nichts wussten, weil sie immer „Konzertlager“ statt „Konzentrationslager“ gesagt hatten), SS-Einheiten befehligt und so weiter… Sie kannten nichts als Hass auf die Russen, die sich erfolgreich gegen den deutschen Überfall gewehrt hatten. Und als Willy Brandt Kanzler wurde, galt er den Hassern als „Volksverräter“.
Damit nicht genug: Wenn man sich einmal akademisch mit westlichem Hass gegen Russen befasst hat, findet man eine Spur von unterschiedlich ausgeprägtem, bitterem Hass bis zurück etwa zum Jahr 1.000.
Ich frage mich ernsthaft, wie nach so viel angeblicher „Aufarbeitung“ der deutschen Vergangenheit nach dem Zweiten Weltkrieg heute der Russenhass wieder aus jeder Ritze der herrschenden Politik und der sog. „Mainstream-Medien“ hervorquillt; wie angeblich aufgeklärte Intellektuelle den Schmutz einfach nachplappern; wie jedes kleinste Ereignis für anti-russische Propaganda genutzt wird; und vor allem, wie jede Möglichkeit diplomatischer Verständigung schon seit Jahren harsch ausgeschlagen wird, um die ukrainischen Normalbürger „für uns und unsere Freiheit“ (!!) in die Schützengräben zu treiben.
Nur, damit Klarheit herrscht: Ich legitimiere hier ausdrücklich den russischen Krieg gegen die Ukraine NICHT. Aber das Völkerrecht gebietet nun einmal diplomatische Verhandlungen und verbietet Feindbildaufbau.
Ich habe Euch, erstens, den Offenen Brief der ukrainisch-russischen Schriftstellerin Natascha Wodin an die FAZ angehängt – einen berührenden Text in Zeiten des Wütens, mit starker Empfehlung.
Wodin, Natascha. 2026. „Offener Brief von Natascha Wodin an die FAZ: ‚Aus den Glutnestern ein Flächenbrand‘“. Berliner Zeitung. Originalartikel (25. August 2026).
Zweitens habe ich einen Zeitungsartikel über die ausufernde Hysterie und Propaganda über angebliche russische Drohnenattacken und „Waffendepots“ angehängt, um den Brief Wodins in einen aktuellen Zusammenhang zu setzen.
Dukic, Boban. 2026. „Zwei Pistolen im Wald bei Berlin: Warum die Republik plötzlich vor einem ‚russischen Waffendepot‘ zittert“. Berliner Zeitung. Originalartikel (25. August 2026).
Die beiden im Rundbrief genannten Beiträge können hier als PDF aufgerufen werden:
Natascha Wodin – Offener Brief als PDF Boban Dukic – Artikel als PDFFriede…!
Heinrich Schäfer
Empfehlung:
Wer Frieden will, muss mit dem Feind reden. – Eine ökumenische Friedensschrift, 2026.
In English (for free distribution)
On the Website of the World Council of Churches
Mit dem vorliegenden Rundschreiben an eine Mailing-Liste verbindet sich die Absicht der Stärkung demokratischer Teilhabe und freiheitlicher Meinungsäußerung von Bürgern im Sinne des Grundgesetzes, Präambel (Friedenspflicht) sowie Art. 3, 5 und 20. Empfehlung: Westminster Declaration
