In seinem Rundbrief vom 9. September 2026 verweist Clemens Ronnefeldt auf aktuelle Beiträge zu den Kriegen in der Ukraine und in Westasien sowie zur zunehmenden Militarisierung. Er weist ausdrücklich darauf hin, dass er nicht mit allen Aussagen der zusammengestellten Beiträge übereinstimmt, sie jedoch für wichtig hält. Die folgende Presseschau fasst die wesentlichen Inhalte der von ihm ausgewählten Beiträge zusammen.
US-Vermittlung zwischen Moskau und Kiew bislang ohne Durchbruch
Die US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner haben innerhalb kurzer Zeit Gespräche sowohl mit Wladimir Putin in Moskau als auch mit Wolodymyr Selenskyj in Kiew geführt. Trotz positiver Äußerungen der Vermittler zeichnete sich nach Angaben der Wirtschaftswoche kein unmittelbarer Fortschritt bei der Beendigung des Krieges ab.
Kushner sprach sich für neue trilaterale Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA aus. Selenskyj hält für zentrale Streitfragen wie die territoriale Ordnung weiterhin ein Treffen auf höchster Ebene für notwendig. Während des Besuchs der US-Unterhändler galt zeitweise eine gegenseitige Pause bei Angriffen auf Kiew beziehungsweise Moskau. Insgesamt wird die militärische Lage jedoch weiterhin als angespannt beschrieben.
Beitrag in der Wirtschaftswoche lesen →Russlands Rückkehr an den G20-Tisch sorgt für Streit
Die USA ermöglichten erstmals seit mehr als vier Jahren wieder die persönliche Teilnahme des russischen Finanzministers Anton Siluanow an einem G20-Finanzministertreffen. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil reagierte darauf kritisch und verweigerte gemeinsam mit weiteren europäischen Vertretern ein gemeinsames Gruppenfoto.
Das Weiße Haus verteidigte dagegen die Einladung mit dem Argument, Gespräche mit Russland seien notwendig, um Fortschritte bei einer Beendigung des Ukrainekrieges zu erreichen. Der Vorgang verdeutlicht damit auch die unterschiedlichen Strategien der USA und europäischer Regierungen im Umgang mit Moskau.
Beitrag bei ZDFheute lesen →Bericht: BND könnte der Ukraine künftig Zielkoordinaten liefern
Nach einem Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle und der deutschen Beschuldigung Russlands hat sich der Konflikt zwischen Berlin und Moskau weiter verschärft. Laut einem vom Merkur aufgegriffenen Bericht wird innerhalb der Bundesregierung erwogen, den Bundesnachrichtendienst mit der Lieferung sogenannter Targeting-Daten an die Ukraine zu beauftragen. Dabei handelt es sich um genaue Zielinformationen, die für ukrainische Raketen- oder Drohnenangriffe genutzt werden könnten.
Gleichzeitig wurden diplomatische Maßnahmen gegen Russland angekündigt. Moskau reagierte seinerseits unter anderem mit der angekündigten Schließung deutscher Kultureinrichtungen. Russland weist die Verantwortung für den Drohnenvorfall zurück.
Beitrag im Merkur lesen →Lawrow spricht vom „Beginn eines echten Krieges“ mit Deutschland
Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat die deutschen Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Drohnenvorfall in Leipzig scharf zurückgewiesen. Nach einem Bericht der Welt bezeichnete er die Anschuldigungen und die anschließenden deutschen Maßnahmen als „Beginn eines echten Krieges“ und warf Bundeskanzler Friedrich Merz vor, Russland faktisch den Krieg zu erklären.
Die Bundesregierung hält dagegen an ihrer Einschätzung fest, Russland sei für den Vorfall verantwortlich. Bundeskanzler Merz erklärte die Zuordnung als eindeutig und gerichtsfest. Beide Seiten stellen die Ereignisse damit grundlegend unterschiedlich dar.
Beitrag in der Welt lesen →Putin und Trump sprechen über Ukrainekrieg und Beziehungen zwischen USA und Russland
Wladimir Putin und Donald Trump haben nach Angaben des Kreml rund eine Stunde miteinander telefoniert. Putin habe dabei erklärt, Russland habe keine aggressiven Absichten gegenüber Europa, und Möglichkeiten für ein Ende der Kämpfe in der Ukraine angesprochen.
Nach Darstellung des Kreml wurde außerdem über eine vollständige Wiederherstellung der amerikanisch-russischen Beziehungen nach einem Ende des Krieges sowie über weitere Gefangenenaustausche gesprochen. Trump äußerte sich zunächst nicht selbst zu dem Gespräch.
Beitrag im Spiegel lesen →August Pradetto kritisiert den deutschen Kurs gegenüber Russland
Der Außenpolitikexperte August Pradetto äußert im Interview mit dem Freitag Zweifel am Vorgehen der Bundesregierung nach dem Drohnenvorfall in Leipzig. Er hält die eindeutige Zuschreibung an Russland für voreilig und warnt vor den politischen Folgen einer weiteren Eskalation.
Pradetto setzt sich dabei auch kritisch mit der deutschen Sanktionspolitik auseinander. Nach seiner Einschätzung können deren wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen innenpolitisch Parteien wie der AfD nutzen.
Interview im Freitag lesen →Ronnefeldt erinnert an den deutsch-sowjetischen Nachbarschaftsvertrag von 1990
Clemens Ronnefeldt verweist ergänzend auf den 1990 geschlossenen Vertrag über gute Nachbarschaft, Partnerschaft und Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der damaligen Sowjetunion. Artikel 7 sieht vor, dass beide Seiten unverzüglich miteinander Kontakt aufnehmen sollen, wenn nach Einschätzung einer Seite eine Bedrohung des Friedens oder gefährliche internationale Verwicklungen entstehen.
Ronnefeldt weist darauf hin, dass die Russische Föderation Rechtsnachfolgerin der Sowjetunion ist und misst dem Vertrag deshalb auch für die heutige Situation Bedeutung bei.
Vertrag bei der Bundesregierung lesen →Ben-Gvir fordert massive Ausweitung gezielter Tötungen in Gaza
Israels rechtsextremer Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, hat laut Spiegel in einem Podcast gefordert, jede Nacht 30 bis 40 Menschen im Gazastreifen zu töten. Dabei beschränkte er seine Forderung ausdrücklich nicht auf Personen, von denen unmittelbar eine Gefahr ausgehe, und verwendete entmenschlichende Formulierungen über Menschen in Gaza.
Ähnliche Aussagen Ben-Gvirs und anderer israelischer Politiker wurden international wiederholt kritisiert. Aussagen israelischer Regierungsvertreter spielen auch in den Verfahren vor internationalen Gerichten eine Rolle. Israel weist den Vorwurf zurück, im Gazastreifen Völkermord zu begehen.
Beitrag im Spiegel lesen →Kritik an der deutschen Israelpolitik und Forderung nach stärkerem rechtlichen Druck
Der frühere EU-Diplomat Sven Kühn von Burgsdorff kritisiert in einem Kommentar für Zenith die Reaktion der Bundesregierung auf Äußerungen von Itamar Ben-Gvir als unzureichend. Nach seiner Auffassung müsse Deutschland seine Israelpolitik stärker an den Vorgaben des internationalen Rechts ausrichten.
Der Autor fordert unter anderem die Unterstützung internationaler Gerichtsverfahren, Einschränkungen bei Waffen- und Dual-Use-Exporten sowie ein härteres Vorgehen gegen die israelische Siedlungspolitik. Zudem plädiert er für ein abgestimmtes Vorgehen der Europäischen Union. Diese Forderungen und rechtlichen Bewertungen geben die Position des Autors wieder.
Beitrag bei Zenith →Charlotte Wiedemann: Wie über Zionismus sprechen?
In einem Essay für Qantara beschäftigt sich Charlotte Wiedemann mit den Veränderungen der Debatte über Zionismus, insbesondere innerhalb jüdischer Gemeinschaften in den USA. Sie beschreibt eine wachsende Distanz jüngerer amerikanischer Jüdinnen und Juden zur israelischen Politik und verweist auf Diskussionen über post- und antizionistische Positionen.
Wiedemann stellt dabei auch die Frage nach politischen Modellen, die Israelis und Palästinensern gleiche Bürgerrechte garantieren könnten. Eine Ein-Staaten-Lösung mit gleichen Rechten für alle beschreibt sie als mögliche demokratische Friedensvision. Der Text ist ein politischer Essay und gibt die Argumentation und Bewertungen der Autorin wieder.
Essay bei Qantara lesen →„Kriegstüchtig an allen Fronten“: Jürgen Wagner warnt vor umfassender Militarisierung
Jürgen Wagner von der Informationsstelle Militarisierung beschreibt in seinem neuen Buch „Kriegstüchtig an allen Fronten“ eine Entwicklung, die seiner Einschätzung nach weit über die Bundeswehr hinausgeht. Er verweist unter anderem auf steigende Rüstungsausgaben, die Debatte über einen neuen Wehrdienst, den Operationsplan Deutschland und die stärkere Einbindung ziviler Bereiche in militärische Planungen.
Wagner vertritt die These, dass die hohen Rüstungsausgaben langfristig zu erheblichen Verteilungskonflikten und Sozialkürzungen führen werden. Das Buch versteht sich ausdrücklich als kritischer Beitrag zur gegenwärtigen Aufrüstungs- und Militarisierungsdebatte.
Beitrag der Informationsstelle Militarisierung lesen →Pro Peace warnt vor sozialen Folgen der steigenden Militärausgaben
Pro Peace kritisiert die von der Bundesregierung geplante massive Erhöhung der Verteidigungsausgaben. Nach Darstellung der Organisation sollen die Militärausgaben bereits im kommenden Jahr mehr als 100 Milliarden Euro erreichen und bis 2030 auf rund 180 Milliarden Euro anwachsen.
Die Organisation warnt vor steigender Staatsverschuldung und möglichen Kürzungen in anderen Bereichen wie sozialer Sicherung, Klimaschutz und Entwicklungszusammenarbeit. Mit einer begleitenden Kampagne ruft Pro Peace zum Protest gegen die nach eigener Darstellung „Rekordaufrüstung“ auf.
Beitrag bei Pro Peace lesen →Horst-Eberhard Richter neu gelesen: Vom „Gotteskomplex“ zur Kriegstüchtigkeit
Manfred Böhm greift in seinem Beitrag bei Pressenza die friedenspolitischen und psychoanalytischen Arbeiten Horst-Eberhard Richters auf und überträgt sie auf die heutige Diskussion über Aufrüstung und „Kriegstüchtigkeit“. Richter beschäftigte sich intensiv mit Feindbildern, atomarer Abschreckung und den psychologischen Mechanismen politischer Eskalation.
Böhm sieht in Richters Konzept des „Gotteskomplexes“ einen Ansatz zum Verständnis des Versuchs, Unsicherheit und Verwundbarkeit durch militärische Überlegenheit und Kontrolle zu kompensieren. Dem stellt er Richters Plädoyer für Dialog, Völkerverständigung und die Überwindung pauschaler Feindbilder gegenüber. Die Übertragung dieser psychologischen Konzepte auf die aktuelle Politik ist die Interpretation des Autors.
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