60 Jahre Peter Hammer Verlag
Weltliteratur, gesellschaftskritische Sachbücher und Kinderliteratur mit eigener Handschrift – ein Rückblick auf sechs Jahrzehnte widerständiger Verlagsgeschichte.
18.05.–14.07.2026 · Zentralbibliothek Wuppertal · Kolpingstr. 8 · 42103 Wuppertal
Das Widerständige hat Geschichte
Pierre Marteau, „Peter Hammer“, der fiktive Namensgeber des Verlages braucht sich nicht zu schämen: Von Anfang an hatte das Widerständige, zuweilen Widerborstige, das Gegen-den-Strom-Schwimmen im Verlagsprogramm seinen Platz. Mit Veröffentlichungen zu Politischen Theologie fing es an. Dorothee Sölle, feministische Theologin und Begründerin des „Politischen Nachtgebets“ war früh als Herausgeberin dabei, später auch als Autorin („Ein Land ohne Vision geht zugrunde“, 1986).
Ein anderer Schwerpunkt der frühen Verlagsarbeit waren für ein breiteres Publikum geschriebene sozialhistorische Sachbücher zu Themen, die in unseren Geschichtsbüchern selten oder gar nicht vorgekommen sind. Dazu gehörten etwa Eduard Führ und Daniel Stemmrich mit „Nach gethaner Arbeit verbleibt im Kreise der Eurigen“ (1982) oder Richard Murpheys „Gastarbeiter im Deutschen Reich“ (1982), das die gängigen Klischees über die Zuwanderungsgeschichte der „Ruhrpolen“ erschütterte.
Etwas später erschien das Buch des bekannten Genfer Soziologen Jean Ziegler über Befreiungsbewegungen in Afrika und Lateinamerika („Gegen die Ordnung der Welt“, 1985), kenntnisreich, gründlich recherchiert, aber eindeutig parteiisch, pro Befreiungsbewegungen. Auch Joseph Ki-Zerbos „Geschichte Schwarz-Afrikas“ von 1979 gilt als frühes bahnbrechendes Werk, auf über 760 Seiten erstmals von einem Afrikaner selbst erzählt.
Literatur aus Lateinamerika und Afrika
Schon kurz nach seiner Gründung stand der Peter Hammer Verlag neben kritischen Sachbüchern vor allem für eines: die Publikation von Belletristik aus Lateinamerika und Afrika.
1967 erschienen erstmals die „Lateinamerikanischen Psalmen“ des Priesters und Dichters Ernesto Cardenal aus Nicaragua in deutscher Sprache. Cardenal veröffentlichte nach und nach alle seine Werke im Peter Hammer Verlag und gewann damit ein großes Lesepublikum im deutschen Sprachraum.
1971 erschien mit „Auf den Spuren meines Vaters“ von Michel Kayoya aus Burundi die erste Übersetzung eines afrikanischen Autors. Hermann Schulz erinnerte sich später daran, dass afrikanische Literatur auf dem deutschen Buchmarkt damals praktisch nicht vorkam.
In den folgenden Jahrzehnten veröffentlichte der Verlag zahlreiche bedeutende Autorinnen und Autoren aus Afrika und Lateinamerika – darunter Gioconda Belli, Eduardo Galeano, Ngũgĩ wa Thiong’o, Meja Mwangi oder Tendai Huchu.
Besonders erfolgreich wurde Eduardo Galeanos Werk:
„Die offenen Adern Lateinamerikas“
Eine leidenschaftliche Auseinandersetzung mit der kolonialen und neokolonialen Geschichte Lateinamerikas – bis heute lieferbar.
Kinder- und Jugendbücher
Schon früh bemühte sich der Verlag darum, das belletristische Programm um Kinder- und Jugendbücher zu erweitern.
Der große internationale Durchbruch gelang schließlich mit Werner Holzwarths und Wolf Erlbruchs Kinderbuch:
„Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hatte“
Wolf Erlbruch wurde zum bekanntesten Illustrator des Verlages. Später prägten weitere Illustratorinnen und Illustratoren wie Nadja Budde, Jens Rassmus oder Susanne Straßer den unverwechselbaren Stil des Kinderbuchprogramms.
Auch aktuelle Kinder- und Jugendbücher des Verlages wurden vielfach ausgezeichnet – etwa Werke von Will Gmehling oder Jens Rassmus.
Weltliteratur und Kinderbücher aus 60 Jahren – das war eine wilde Mischung. Und genau diese Mischung soll bleiben.
PDF-Version des vollständigen Beitrags
Einladung zum Jubiläum
Quelle: Einhard Schmidt-Kallert / Peter Hammer Verlag. :contentReference[oaicite:0]{index=0}
